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INDOGERMANISCHE BIBLIOTHEK

HERAUSGEGEBEN VON H. HIRT UND W. STREITBERG t

ERSTE ABTEILUNG

SAMMLUNG INDOGERMANISCHER LEHR- UND HANDBÜCHER

II. REIHE: WÖRTERBÜCHER DRITTER BAND

ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH DER EUROPÄISCHEN WÖRTER ORIENTALISCHEN URSPRUNGS

VON

KARL LOKOTSCH

HEIDELBERG 1927 CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG

I

ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH

DER EUROPÄISCHEN (germanischen,

ROMANISCHEN UND SLAVISCHEN) WÖRTER

HEIDELBERG 1927

CARL WINTER'S UNIVERSITÄTSBUCHHANDLUNG

Verlags-Nr. 1988.

AUa Utobt«, beioDden dai Reolit der Oberaetzuug lo tremdi Spntoheo, werden vorbehalteu

014139

Dem Ni'slor der ilciilsrlicii Orientalisten

Herrn Prof. Dr. Theodor Nöldeke

~ii seinem iieinr;iosten Gehurtsjcste in (Idnklhirer Verehrnng i^eiuidmet

2. M(U ~ 11)26.

Digitized by the Internet Archive in 2014

/

https://archive.org/details/etymologischeOOIokoguat

Vorwort.

Das etymologische Wörterbuch der europäischen Wörter urieulaHschen Ursprungs verdankt seine erste Anregung dem häufig ausgesprochenen Wunsche meiner Hörer an der Kölner Handelshochschule und Universität, die Hinweise auf das Weiterleben orientalischer Grundwörter in den ver- schiedenen europäischen Sprachen, die ich in meinen Vorlesungen und Übungen zahlreich zu geben pflegte, in einer gedruckten Zusammenstellung wiederfinden und nachschlagen zu können. Wenn ich auf die Wörterbücher der Einzelsprachen verwies, so mulste immer wieder festgestellt werden, daß zahlreiche irrige Etymologien von Generation zu Generation weilergeschleppt werden oder günstigen Falles das zugrunde liegende Etymon in seiner orien- tahschen Grundform nicht zu erkennen ist, weil es zu sehr verunstaltet wurde. Den Wörtern beigefügte kurze Hinweise, wie „arabischen oder per- sischen Ursprungs", z. B. im allbekannten Oxford Dictionary, genügen erst recht nicht, um das Wandern eines Wortes vom Orient bis zu seinem letzten Erscheinen in irgendeiner abendländischen Sprache aufzuhellen. Als mir nun im vergangenen Sommer einer der bedeutendsten Orientalisten Deutschlands, der seine Lehrtätigkeit z. Zt. an einer süddeutschen Univer- sität ausübt, schrieb, daß die Wörterbücher der verschiedenen europäisclien Sprachen dringend einer Korrektur in Bezug auf die orientalischen Entlehnungen erforderten, entschloß ich mich, mein inzwischen reicher gewordenes Material zu sichten und zu ergänzen, um eine möglichst vollständige Dar- stellung des Ubergangs orientalischer Wörter in die Sprachen des Abendlandes in Form eines etymologisclien Wörterbuches in Druck zu geben.

Was die Ausgangssprachen angeht, so kommen in erster Linie die Sprachen des islamischen Kulturkreises in Betracht, insbesondere das Arabische, Persische und Türkische; daneben lieferten von den semitischen Sprachen das Hebräische und das Aramäische, ferner das Sanskrit und seine modernen Entwicklungen dem Abendlande manches neue Wort. Weniger zahlreich sind die Entlehnungen aus den anderen indischen Sprachen [Drawidasprachen], dem Chinesischen und Japanischen sowie dem Malay- ischen. Gewöhnlich wird ein orientalicher Abkömmling nicht gleichzeitig in alle europäischen Sprachen aufgenommen, vielmehr von einer Einzelsprache ihrem nationalen Lautbestande angeglichen und so an die Nachbarsprachen weitergegeben. Im Altertum sind es natürhch vorwiegend das Griechische und Lateinische, die diese Durchgangsstation bilden. Ich konnte mir nicht die Aufgabe stellen, alle griechisclien und lateinischen Wörter, die seit den

VUI

Vorwort.

ältesten Zeiten jemals dem Orient entlehnt wurden, aufzuzählen*; vielmehr sind nur diejenigen Wörter hier verfolgt worden, die in den modernen in Europa gesprochenen Sprachen des indogermanischen Sprachstammes, näm- lich in den romanischen, germanischen und slavischen Sprachen, lebendig sind; nur hier und da ist auf das gleichzeitige Vorkommen im Neugriechi- schen oder in anderen, nicht indogermanischen Sprachen [z. B. im Ungarischen] hingewiesen worden, wo entweder die besondere Form oder die Art der Entlehnung eine solche Ausnahme nahelegte.

Betrachtet man die Form der dem Orient entlehnten Wörter^, so fallt es auf, dals diese Entlehnungen zwar mehr oder weniger dem natio- nalen Lautbestande der betreffenden Zeit angeglichen, die Lautgesetze aber, wie sie für die ungestörte Entwicklung jeder Sprache, etwa für das Werden der romanischen Sprachen aus den Formen des Vulgärlateins, beobachtet und festgestellt sind, nur in seltenen Fällen beachtet werden. Hier wirken Eigentümlichkeiten des eigenen und des fremden Lautbestandes, Neigung zur vereinfachten oder bequemeren Aussprache, Assimilation und Dissimi- lation, volkstümliche Anlehnung an bekanntere Wortformen und zahlreiche fast willkürlich erscheinende Ursachen zusammen, ohne daß es möglich wäre, eine allgemein gültige Gesetzmäßigkeit festzustellen. Als wichtigster Umstand kommt noch hinzu, dafs. wie schon erwähnt, die orientahschen Grundwörter meistens durch mehrere europäische Sprachen hindurchgehen und in ihnen immer wieder aufs Neue jene lautlichen Änderungen erfahren,, ehe sie in ihre heutige, endgültige Form angelangt sind. Als die wichtigste Zäsur, welche die Zeiten größerer und geringerer Formänderung der Ent- lehnungen trennt, muß die Erfindung der Buchdruckerkunst bezeichnet werden; während bis dahin die soeben angedeuteten Ursachen im Munde des Volkes ungehemmt wirken, üben der Buchdruck und die durch ihn bewirkten oder auf ihm sich gründenden Kulturerscheinungen, unter denen nur die Schule als bedeutsamste genannt werden soll, eine stark konser- vierende Wirkung aus. Wörter, die in den letzten Jahrhunderten aus dem Orient zu uns gekommen sind, stehen daher der ursprünglichen Grundform so nahe, daß man ohne weiteres ihren fremden Ursprung hört und sieht, während frühere Entlehnungen nur noch schwer zu durchschauen sind.

Neben der Änderung der Form geht in vielen Fällen eine Verschiebung der Wortbedeutung vor sich, zumal wenn es sich nicht um Gegenstände

' Noch weniger durfte auf die Entlehnungen eingegangen werden, die die indo- germanische Ursprache oder auch die frühe Gestalt des Griechischen orientalischen Sprachen zu verdanken haben. Ebenso sind die zahlreichen dem Orient entlehnten Eigennamen nicht erklärt worden: nur wo sie zu Gattungsnamen geworden sind, haben sie Platz gefunden.

^ Ein Unterschied zwischen Lehn- und Fremdwörtern, deren theoretische Definition als bekannt vorausgesetzt werden darf, konnte hier unmöglich gemacht werden, da die Grenzen zwischen ihnen so verschwommen sind, daß in der Praxis in den weitaus meisten Fällen der persönliche Geschmack oder die Willkür die Entscheidung über die Zugehörigkeit eines Wortes zu der einen oder anderen Klasse von Entlehnungen treffen müüite.

Vorwort.

IX

oder Verhältnisse handelt, die dem Morgenlands eigen sind; so werden z. B. die Namen für die Kleidungsstücke, die ja im Morgen- und Abendiande eine erhebliclie Verschiedenheit aufweisen, trotz der gleichen oder ähn- lichen Wortgestalt eine sehr verschiedene Bedeutung haben können; statt aller Einzelheiten sei als Beispiele auf die Geschichte der deutschen Wörter 'Schaube' und 'Mütze' verwiesen. Es ist daher hier versucht worden, die Bedeutung der angegebenen Wörter der europäischen Sprachen möglichst genau festzulegen, eingedenk der trefflichen Worte, die schon Hörne Tooke in seinen "Euea irxepöevTa oder Diversions of Purley ausspricht: ,,It is a trifl- ing etymology that barely refers us to some words in another language, either the same or similar : unless the nieaning of the word and cause of its composition can be discovered by such referencc." Es würde den Umfang des Buches, das für den bequemen und praktischen Gebrauch bestimmt ist, zu gewaltig haben anschwellen lassen, wenn bei jedem einzelnen Grund- worte der genaue geschichtliche Gang der Entlehnung bis ins Einzelnste dargelegt worden wäre. Statt eines etymologischen Wörterbuches hätte dann ein Thesaurus von Wortgeschichten geschrieben werden müssen, eine l^eistung, die die Kraft eines einzelnen Gelehrten bei weitem übersteigt.' Doch sollen die hauptsächlichsten geschichtlichen Ereignisse und Umstände, die zu Wortentlehnungen aus dem Orient führten, hier kurz dargelegt werden.

Die weitaus bedeutsamste Verbindung des Morgen- und Abendlandes im Altertum wurde, wenn von einer Besprechung der Wirkung der Perser- kriege in sprachlicher Hinsicht abgesehen werden darf, durch den Zug Alexanders des Großen hervorgerufen. Bis auf diese Zeiten läßt sich der erste reichlichere Abfluß orientalischer Begriffe und Wörter in die griechische Sprache und in den darauf folgenden Jahrhunderten ins Latemische zurück- führen; seitdem erstreckt sich die Wirkung in ununterbrochenem Flusse bis auf die heutigen modernen Sprachen und Dialekte Europas. Das folgende hellenistische Zeitalter begünstigte aus hier nicht zu erörternden Gründen die Entlehnung orientalischen Sprachgutes in hervorragendem Maße: die Verbreitung des Judentums und die Entstehung des Christentums gaben Anlaß zur Übernahme vieler hebräischer und aramäischer Wörter ins Griechische und Lateinische [besonders in die als Kichenlatein bezeichnete Färbung]. Mit dem Mittelalter beginnt der Einfluß des Arabischen. Nach- dem sich der Islam von den malayisclien Inseln bis zu den Gestaden des Atlantischen Ozeans verbreitet hatte, war eine riesige Berührungslinie des arabischen Sprachgebiets mit dem Abendlande geschaffen. Der Wortschatz der Sprachen der Pyrenäenhalbinsel, des Spanischen, Portugiesischen und Katalanischen, und in geringerem Umfange anch der des ProvenzaHschen, Französischen und Italienischen werden mit arabischen Wörtern derart

' Um (Jen Leser, der sich in einzelnen Fällen eine solche Worlgeschichte herzustellen wünscht, dazu in stand zu setzen, ist jedesmal die einsclilägige Literatur angegeben worden, deren Einblick auch andere als hier angegebene Erklärungen vor Augen führen wird. In bestimmten Fällen sind diese entgep-enstehenden Ansichten auch hier bereits aufgeführt worden.

X

Voiwürl.

(iurchtränkt, daß B. das Spanische nach Ausscheidung der arabischen Elemente nicht mehr fähig wäre, seine Funktion als moderne Sprache auszuüben. Fast tausend Jahre arabisclier oder islamischer Herrschaft und Kultur haben deren Stempel den Sprachen des westlichen Mittelmeerbeckens unauslöschlich aufgeprägt. Dagegen setzt die Wirkung auf die Sprachen des ('istlichen Beckens des mittelländischen Meeres erst später ein; bis zum Falle Konstantinopels schützt das griechische Sprachgebiet den Osten Euro- pas vor orientalischer Sprachüberflutung. Nur die Inseln, besonders Malta, Sizilien und Sardinien, wie aucli Unteritalien sind mehrere Jahrhunderte hindurch arabischer Sprach- und Kulturwirkung ausgesetzt, deren Förde- rung durch Friedrich II. und vielleicht schon durch seine Vorgänger aus dem Geschlechte der Hohenstaufen nicht zu unterschätzen ist. Die Wirkung der direkten Berührung der Abendländer mit dem Orient, wie sie im vorhergehenden Zeitalter der Kreuzzüge vor sich gegangen war, wird auf diese W^eise nachhaltig verstärkt; auch der Aufschwung der arabischen Lehrtätigkeit in den südeuropäischen Zentren der Gelehrsamkeit ist nicht ohne dauernden Einfluß auf die Gestaltung des Wortschatzes der romani- schen Sprachen geblieben. Hervorgehoben sei besonders das damals ein- gedrungene arabische Element im Wortschatz der Anatomie und Mathematik. Bei der im Mittelalter noch größeren Freizügigkeit der Gelehrten und Ungelehrten und praktischeren Internationalität der Wissenschaft, als wir sie heute besitzen, verbreiteten sich die arabischen Elemente rasch bis in die nordischen Länder gemanischer Zunge. Gewiß haben zu dieser schnellen Verbreitung auch die Juden beigetragen, die seit dem frühen Mittelalter sämtliche europäische Sprachen mit Wörtern ihrer Muttersprache oder des verwandten Arabischen bereicherten. Besonders im Deutschen ist dieser Einfluß sehr lebendig gewesen und hat ja zur Bildung eines weit ver- breiteten Dialektes, des Jiddischen, geführt.

Mit dem epochalen Ereignisse des Jahres 1453 beginnt die starke Wirkung des Türkischen auf die Sprachen der Balkanhalbinsel, die nunmehr über vier Jahrhunderte lang unter der politischen Herrscijaft der Osmanen stehen sollte; daher stammt die starke Vermischung des Rumänischen und des Bulgarischen und Serbischen, sowie in weiterem Umkreise der übrigen slavischeu Sprachen mit türkischen Lehn- und Fremdwörtern, die nur noch selten ihr orientalisches Gewand abgelegt und eine uationalslavische Form angenommen haben, da selbst hier in den Halbkulturländern des südöst- lichen Europas die Wirkung der Buchdruckerkunst in gleichem Sinne wie anderswo zu beobachten ist. Dazu scheinen überhaupt die Zeiten der ge- waltigen Lautänderungen, wie sie sich vom 8. bis L5. Jahrhundert in ganz Europa abspielten, endgültig vorbei zu sein, jedenfalls ein weit langsameres Ausmaß der Entwicklung angenommen zu haben. Eine letzte Wirkung der orientalischen Sprachen auf den Wortschatz des Abendlandes erzielen die direkten Beziehungen kolonisatorischer und merkantiler Tätigkeit, welche die Europäer mit den Völkern Süd- und Ostasiens in Berührung bringt. Der Zustrom malayischer, hindustanischer, chinesischer und japanischer

Vorwort.

XI

Wörter zunächst ins Englische und Niederländisciie und weiter in die übrigen europäischen Sprachen hat seil Beginn des 19. Jahrhunderts außer- ordenthchen Umfang genommen ; bei dem beginnenden Aufstieg Asiens ist anzunehmen, daß diese sprachhche Wirkung eher zu- als abnehmen wird.

Im etymologischen Wörterbuche sollen die jetzt noch lebendigen Entlehnungen aus dem Orient erklärt werden, während von den bereits wieder aufgegebenen orientahschen Lehnwörtern nur hier und da vergleichs- weise die Rede sein soll; die Zahl der hierhin gehörigen wieder aus- gestorbenen Wörter, wie z. B. im Mittelhochdeutschen, ist nicht gering; auch für Lehnwörter gilt wie für so viele dem nationalen Stamme ent- sprossene Wörter der Ausspruch des Horaz (De arte poetica 70/71): Multa renascentur quae iam cecidere cadentque Quae nunc sunt in honore vocahula, si volet usus. , Manches gefallene Wort wird wiedergeboren, vergehn wird Manches, das jetzt noch in Ehre dasteht, wenn so es der Brauch will."

Noch einige Bemerkungen über die Wiedergabe der orientalischen und europäischen Wörter. Die Umsclirilt der orieri talischen Formen ist entsprechend dem Gebrauche der Semitisten (Umschrift der DMG), der Indologen und der Sinologen erfolgt; es schien mir dies praktischer zu sein, als eine einheitliche Umschrift zu wählen und durcli/.uführen, wenn auch derselbe oder ein ähnlicher Laut auf diese Weise verschiedene Umschrift erfährt (s, s, sh). Bei den arabischen und persischen Wörtern ist die klassische Form, also mit kurzem oder langem a, i, u angegeben, und nur, wo es nötig schien, die vulgäre Form hinzugefügt. Da im Türkischen kein Unterschied zwischen langen und kurzen Vokalen vorhanden ist, wurde auch bei solchen Wörtern, die dem Türkischen aus dem Arabischen oder Persischen zugekommen sind, von einer Angabe der Quantität abgesehen. Dagegen sind durchweg die emphatischen Konsonanten auch bei rein tür- kischen Wörtern bezeichnet worden, wenn sie hier auch nur geringfügige lautliche Unterschiede bedingen (z. B. k und in kel und kara). Was die Umschrift der Formen aus den europäischen Sprachen anlangt, so ist für das Russische, Bulgarische und Serbische die übliche Umschrift * ohne die bei den Slavisten gebräuchlichen Feinheiten benutzt worden; im übrigen ist die nationale Orthographie angewandt worden, die nur bei älteren Aus- drücken zu Schwierigkeiten führen kann (z. B. altspanisches x).

Daß ich bei keiner der vermerkten Etymologien die Priorität für mich in Anspruch nehme, ist selbstverständlich ; es ist ja vielfach überhaupt sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, die erstmahge Angabe einer Etymologie genau festzustellen, gehen doch manche gute Etymologien beispielsweise auf Etienne und Menage zurück, die heutzutage wieder entdeckt werden. Der

' Dabei wurde der Einfachheit halber für den labialen Reibelaul wie im Türkischen auch im Slavischen w gesetzt; wenn auch im Arabischen hiermit der bilabiale Laut bezeichnet wird, so scheinen mir phonetische Fragen hier von ge- ringerem Belange zu sein. Ebenso ist in den slavischen Wörtern h zur Umschrei- bung von X gewählt worden.

XIl

Vorwort .

Kenner und Fachgelelu te wird übrigens an vielen Stellen merken, daß neue Vorschläge und Erklärungen geboten werden. Bei nicht sicheren Etymo- logien war icli bemüht, den Grad der Wahrscheinlichkeit durch entsprechende Einschränkungen wie , vielleicht, möglicherweise, wahrscheinlich' anzudeuten. Daß eine absolute Vollständigkeit in einem etymologischen Wörterbuche niemals zu erreichen ist, bitte ich bei Benutzung und Beurteilung bedenken zu wollen. Wer die Entwicklung der aufeinander folgenden Auflagen be- kannter etymologischer Wörterbücher einmal verfolgt liat, wird die Beob- achtung gemacht haben, daß relative Vollkommenheit einer solchen Arbeit erst von Auflage zu Auflage, meist mit Hilfe anderer Fachgelehrter, deren Rat ich mit größtem Danke entgegennehmen werde, zu erreichen ist. In diesem Sinne schicke ich mein etymologisches Wörterbuch mit dem Spruche in die Welt, der auf einem alten Gymnasium steht:

Praesens imperfectum, Perfectum futurum.

Köln , Januiir 1927.

Dr, Karl Lokotsch.

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ZfroniPh = Zeitschrift für romanische Philologie. Halle a. S. ZtSem = Zeitschrilt für Semitistik und verwandte Gebiete. Leipzig. ZKM = Zeitsciirift für die Kunde des Morgenlandes. Göttingen, Bonn. (Vor- gängerin der ZDMG.)

2. Sprachen und Mundarten.

afrz. = altfranzösisch äg. = ägyptisch (Sprache der Hiero- glyphen) ags. = angelsächsisch ahd. = althochdeutsch ait. = altitalienisch angloind. = angloindisch ai)g. = altportugiesisch ar. = arabisch arag. = aragonesiscli aram. = aramäisch asp. = altspanisch ass. = assyrisch äth. = äthiopisch berb. = berberisch bulg. bult^arisch cag. = cagataisch (osttk.) 6ech. = Cechisch (böhmisch) chin. = chinesiscli dän. = dänisch dtsch. = deutsch engl. englisch linn. = finnisch frz. = französisch gen. = genuesisch germ. = germanisch gr. = griechisch (altgr.) hebr. = hebräisch hind. = hindustani ind. = indisch it. = italienisch jap. = japanisch jav. = javanisch jid. =r jiddisch jud.-dtsch. = .jüdisch-deutsch kas. tat. = kazantatarisch

kirgis. = kirgisisch

klruss. = kleinrussisch (ruthenisch

oder ukrainisch) kopt. = koptisch lat = lateinisch

log. = logudoresisch (sardischer Dialekt)

mail. = mailändiscli

mal. = malayisch

mengl. = miltelenglisch

mgr. = mittelgriechisch

mhd. = mittelhochdeutsch

mlal. = mittellateinisch (Lateiu des

Mittelalters) mong. = mongolisch ndl. = niederländisch (holländisch) nfrz. = neufranzösisch ngr. = neugriechisch nhd. = neuhochdeutsch osm. = osmanisch-tk. pers. = neup^rsisch pg. = portugiesisch phÖD. = phönizisch piem. = piemontesisch poln. = polnisch prov. = provenzalisch rom. = romanisch rum. = rumänisch russ. = russisch sard. sardisch schwed. = schwedisch semit. = semitisch serb. = serbisch (serbokroatisch) siz. = sizilianisch slav. = slavisch slov. = slovenisch sp. = spanisch

Verzeichnis der Abicürzungen und Zeichen. XVII

sskr. = Sanskrit triest. = triestinisch (it. Dialekt)

sum. = sumerisch tk. = türkisch (osmanisch)

syr. = syrisch (altsyr.) ung. = ungarisch

tamul. = tamulisch valenc. = valencianisch

tat. = tk. -tatarisch venez. = venezianisch.

3. Andere Abkürzungen und Zeichen.

Abltg. = Ableitung Adj. = Adjektiv ähnl. = ähnhch AT = Altes Testament bes. besonders dass. = dasselbe (bedeu- tend)

dem. = Deminutivum dergl. = dergleichen d. h. = das heißt dial. = dialektisch f. und folgender ( e, -es) fem. = femininum tf. = und folgende

fig. = figürlich Gdwrt. Grundwort

(Etymon) i. J. = im Jahre Inf. = Infinitiv Jhdt. = Jahrhundert MA = Mittelalter N. pr. = Nomen proprium Nr. = Nummer od. = oder ph'. = pluralis s. = siehe S. = Seite

sc. = scilicet (nämlich)

Sgl. = singularis sog. = sogenannt Subst. = Substantiv s. V. = sub verbo u. = und

usw. = und so weiter Vb. = Verb vgl. = vergleiche V. u. = von unten vulg. = vulgär Wt. = Wort Z. = Zeile z. B = zum Beispiel z. T. = zum Teil

Exponenten (hochgestellte ZilTern) geben die Auflage an * zeigt ein niclit belegtes, nur erschlossenes Wort an <^ ist entstanden aus . . . y ist geworden zu . . .

Lokotsch, Etymolog. Wörterbuch.

Inhaltsverzeichnis. g^it^

Vorwort VII

Verzeichnis der Abkürzungen und Zeichen XIII

Etymologisches Wörterbuch ... 1

Sacli- und Namensverzeichnis 175

Wortverzeichnisse

Arabisch (Klassisch und vulgär) 177

Assyrisch (oder akkadisch) 184

Bulgarisch 185

Deutsch 188

Englisch 192

Französisch 196

Griechisch 201

Hebräisch 203

Italienisch 203

Katalanisch 208

Kleinrussisch 209

Latein 210

JWalayiech 211

Niederländisch 212

Polnisch 213

Portugiesisch 215

Piovenzalisch . . 220

Rumänisch 221

Russisch 228

Serbisch 231

Skandinavisch (Dänisch und Schwedisch) 235

Spanisch 235

Syrisch (nebst Aramäisch) 241

Tschechisch 241

Etymologisches Wörterbuch.

1. Syr. aßa:

[BrLexSyr la; allgemein-semitisch, vgl. hebr. rtß, ar. abü, ass. abu, Del HWß 3 a] 'Vater'. Hieraus gr. äßßaq und seit dem 4. Jahrhundert im Kirchenlatein abbas /abbätem, dbbätem] in der Bedeutung 'Vater, Mönch', woraus die Ableitungen abbatia 'Abtei' und abbatissa 'Äbtissin'. Die romanischen Formen sind: it. abate, abhate; ahbadia, hadia, abaz'm; (a)ba- dessa; prov. abas; abodia; abadesa; kat. ubat; abadesa; sp. abad; abadesa, aba- dia; pg. abbade; abbadia; abbadessa; frz. abbd; abbesse; abbaye. In den germa- nischen Sprachen: ags. abbod, engl. «6- bot, ndl. abt, dtsch. Abt, Abtei, Äbtis- sin. Daß das von ML S aufgeführte sp. kat. abadejo, pg. badejo 'Stockfisch' hierher gehört, darf doch wohl aus semantischen Gründen bezweifelt wer- den. Aus dem it. wurde russ. abbat, abbatissa, abbatstwo; serb. abat, opat, (5ech. poln. oimt, dagegen cech. je ptiäka 'Nonne' aus dem mhd. eppefisse 'Äb- tissin'. [ML 8—10. Wartbg FEWb .S. Kluge .5. Gorjajew 1. Bern SlEtWb 22.

2. Av. 'abä':

'Grober, dicker Wollstoff' [vgl. ZDMG IV, 392], 'Mantel daraus'. Im Tk. ebenso und abagu 'Hersteller od. Verkäufer von solchen Mänteln'. Hieraus rum. aba 'dicker Stoff für Mönchskutten', abayiü 'Verkäufer dieses Stoffes', abagerie 'Handel damit' und Ableitungen : abager, abageresc, abäioarä, abälii^ä. Russ. aba 'grobes, weifäes Tuch'; bulg. aba 'dass.', 'Art Oberkleid der Bauern'; serb. aba 'grobes Tuch'; poln. haba, chaba 'dass.'. [Sain 46. Gorjajew 1. Bern SlEtWb 22.

3. Ar. abaufis:

[Das selbst aus gr. ^ßevoq, letzten Endes phönizischen Ursprungs ist] 'Ebenholz'. Hieraus prov. avenuts, sp. abenuz 'Eben- holzbaum, Diospyrus ebenus' [neben unmittelbar dem lat. ebenus entlehnten e^ano wie die übrigen romanischen Formen]. Ebenso rum. abanos 'Eben- holz', fig. 'kräftig'. [Sain 46. DE 31. ML 2816.

Lokotsch, Etymolog, Wörterbuch.

4. Ar. 'Abbäs:

N. pr. Nach dem pers. Schah 'ABBAS I. [1586 1628] wurde eine Münze mit seinem Bilde so genannt [vgl. Napoleon d'or, Louis d'or]; hieraus russ. «6«^ 'Münze von 20 Kopeken'. [Gorjajew 1.

5. Pers. abdär:

[Aus äb 'Wasser' od. 'Glanz' Hoi-n NpEt S. 1, Nr. 2 und 3, und Stamm där- 'habend, haltend' ebda. S. 116, Nr. 527] 'wässerig, hell, glänzend' [von Stahl od. Waffen gesagt]. Über das tk. hier- aus rum. abitir 'besser, vortrefflicher'; russ. ob'jar 'Art Stoff'.

6. Ar. abjad :

'Weiß'. Hieraus fiz. abit 'Bleiweiß', alter chemischer Terminus. Aus dem ar. Subst. bajäd 'Weiße' wurde mit ar. Art. sp. albayalde 'kohlensaures Blei- salz', Vb. albayaldar. [Devic DEl 1.

7. Pers. äbkärl:

[Aus pers. äb s. hier Nr. 5 und kär 'Werk, Tat' Horn NpEt S. 185, Nr. 831; dazu das T des AbstraktumsJ, ebenso bind. 'Wasserarbeit'. Hieraus angloind. abcaree, abkary ursprünglich 'die Arbeit, Wasser zu destillieren und zu verkau- fen', heutzutage 'die Steuer auf diesas Geschäft'. Abkary-System ist also das System der Besteuerung geistiger Getränke in Britisch-Indien. [Hobson- Jobson 2.

8. Hebr. Abraham:

N. pr. [ Volksetymologisch ' Vater der Menge']. lu frz. Dialekten in der Be- deutung 'Milchstraße', wallon. abe d'Abraham [— arbre d'A.] sind fächer- förmig vom Horizont aus sich über den Abendhimmel ausbreitende Wolkenge- bilde. [Wartbg FEWb 8.

9. Ar. abras:

Auch tk. 'Pferd mit weißen und schwar- zen Füßen'. Hieraus rum. abra§ 'ge- fleckt, buntscheckig', tig. 'Unheil ver- kündend'; im walachischen Dialekt iabrai^, iambra^ 'Pferd mit weißen Flecken'.

10. Pers. äbresäui:

[Horn NpEt S. 16, Nr. 65] 'Seide', ent- weder gehaspelte od, gedrehte, gezwirnte 1

Ar. ahn kirdäii.]

2

Ganzseide [auch ins Semitische über- gegangen : syr. abräsom, ahr'isüm BrLex- Syr ob; ar. ibnsam, ibrisum, schon häufig mit der Bedeutung 'Seidenfaden, Seidenzwirn', vgl. Joseph Karabacek, Über einige Benennungen mittelallei'- 1 icher Gewebe I. Wien 1882. S. 21 bis 2'2.]. Ins Tk. übergegangen als ibri- sim [offenbar mit Anlehnung an die Wurzel ip, ib 'winden' Vämbeiy Tkt- EtWb Nr. 37]. Aus dem Tk. wurde rum. ibri^im, ibri^in 'Seidenfaden, Zwirn'; Ableitung ibri^inar.

11. Ar. abü kirdän:

[Wörtlich „Vater der Zecken", die ar. kiräd, plr. kirdän heißen]. Der rein weifae 'Kuhreiher', Ardea bubuleus Sa- vigny, ein afrikanischer Vogel [die Schreibung aboogerdan bei ML 36 wie schon vorher bei Körting, Lateinisch- romanisches Wörterbuch. 3. Aufl. Pader- born 1907, s. V. ist englisch]. Durch volksetymologische Neugestaltung hier- aus vielleicht frz. bwuf-garde, garde- bcfuf 'eine Art Silberreiher'. [FASS in RomForsch III, 488. KURYLOWICZ in Rocznik Orientalistyczny. Tom II. Lwöw 1925. S. 252.

12. Ar. 'abar:

In der Zusammensetzung as-sirä al- "abiir 'der [sc. auf der Milchstraße] wandernde Sirius' [hierzu s. hier Nr. 1915] vom ar. Stamme 'fcr 'wandern' [vgl. hebr. "ibrl 'Hebräer', d. h. derjenige, der gewandert ist od. überschritten hat sc. den Euphrat od. Jordan]. Hieraus Alha- bor, Alchabar als Name des Sirius a Ganis majoris. [Devic DEt 40/41. Ideler Sternn 237 und 246.

13. Ar. abü rag':

'Vater des Schweißes', hieraus lat. bor- rago, eine Pflanze, die durch die ar. Medizin im Mittelalter verbreitet wurde. Die romanischen Formen sind: it. bor- race, borragine, borrana; prov. borrage; sp. borraja ; pg. borragem ; frz. hourrache. Auch germanisch, z. B. engl, borage, dtsch. Burrich, Bor( rjetsch. Wohl über das Ngr. entstand rum. boranjä 'dass.'. Trotz ML 1412 scheint diese Ableitung noch immer die beste und wenig an- fechtbar zu sein. [Kluge 64.

14. Ar. abü tilün:

[Vgl. Ihn Sinä, Kitäb al-känün fi't-tibb. Romae. In typographia Medicea 1593. S. 137] 'eine Zierpflanze' aus der Familie der Malvaceen: Abutilon indicum. Hier- aus frz. abutilon 'dass.', nämlich abutilon striS Abutilon striatum Diks. (Sida striata Hort.) und abutilon itendard A. vexilla- rium Ed. Morrea (S. vexillaria Hort.). [Devic DEt 3. Lammens Rem 3.

15. Pers. acär:

'Sauer', hieraus malay. a£ar [Pijn 237] in der Bedeutung 'Eingemachtes, pickles' und ebenso in allen Eingeborenen- sprachen Indiens; daher angloind. achar 'dass.'; frz. achars 'Obst od. Gemüse, das in Essig eingemacht ist', ein im indischen Archipel, auf Mauritius usw. sehr beliebtes Gericht. [Devic DEt 3/4. Hobson-Jobson 3.

16. Ar. 'äda:

'Sitte, Gebrauch', ebenso Ik. adet 'dass.'; hieraus rum. adet 'Brauch, Sitte, Regel', früher 'Steuer'. [Sain 46.

17. Malayälam adakka:

[Aus arfa/ 'enge Anordnung einer Traube' und kay 'Nuß']. Hieraus pg. areca, angloind. Areca, worunter man allge- mein den Samen od. die Nuß der Palme, Areca catechu L., versteht. [Hobson- Jobson 35.

18. Ar. 'adäla:

[Aus ar. 'adl 'Gerechtigkeit'] 'Gerichts- barkeit', in vulgärer Aussprache 'adälet, woraus über das Hind. das angloind. adawlut 'Gerichtshof wurde. Aus- führlich in Hobson-Jobson 4/6.

19. Hebr. Ädäm:

'Mensch', dann N. pr. für den Stamm- vater des Menschengeschlechtes [vgl. assyr. admu 'Kind, bes. junges Kind' Del HWB 25 b], daraus bei den Ana- tomen des Mittelalters hebr. iappü"h ha-ädäm, wörtlich 'Apfel des Mannes', zur Bezeichnung des Vorsprungs am Kehlkopf des Mannes [gr. irpöXoßo;]. Da er nur am Halse des Mannes zu sehen ist, ist der Name treffend ge- wählt, dann aber durch mißverständ- liche Übersetzung zu Pomum Adami 'Adamsapfel' geworden und die bekannte Fabel entstanden, daß Adam den ihm hingereichten Apfel nicht ganz habe verschlucken können. Ii. morso d'Adamo, frz. morceau d' Adam, pomme d'Adatn. Engl. Ada7n's apple, schwed. adanis aepple, dän. adams üble, ndl. adanis appel. Poln. jabiko Adamowe, ßech. Adamavo jahlko. Im Angloind. ist Adanis apple die Frucht von Mimusops Elengi L., im It. joomo d'Adamo [od. pomo di para- diso] eine Orangenart, Citrus decumana. [Kluge 6. Hobson-Jobson 4. HArllebr- An 164.

20. Ar. 'adan ;

Wörtlich 'dauernde Wohnung', Bezeich- nung des Paradieses; daher dtsch. Eden 'Wonnegarten'. Ebenso entstand hieraus der Name der Stadt Aden in Südwestarabien. Von FORSKÄL wurde der Name Adenia venenata für

3

[Hebr. adonaj.

ein kletterndes Gesträuch aus Arabien eingeführt; frz. adine. [Devic DEt 4. Lammens Rem 4.

21. Hebr. adonaj:

'Mein Herr', Bezeichnung Gottes, da der Name Jahwe vermieden wurde. Aus der Form be-adonaj Psalm 117, 26 entstand it. bndananai 'verworrenes Ge- räusch, Lärm, Getöse'; pg. badanal, plr. badanaes 'Unordnung, Wirrwarr'. [WuS V, 128.

22. Berber, afarag: 'Umzäunung, eingezäunter Raum, Hof eines Duar' [s. hier Nr. 502]. Hieraus sp. alfanegue 'Zelt', worin also al nicht ar. Art. ist! [DE 105/107.

23. Pers. äfärin : [Zusammenhängend mit pers. äfrin 'Lob' Horn NpEt S. 10, Nr. 39, 2]; eben- so ik. aferin, woraus rum. aferim 'aus- gezeichnet! bravo!'.

24. Ar. 'äflja:

'Wohlbefinden, Verzeihung'. Hieraus sp. alafia in der Redensart: pedir alafia 'um Pardon bitten'. Sizil. lafia, [in Verbindung mit romanischem 7mlle 'tausend'] millafia od. millaffia 'über- triebene Liebkosung, Schmeichelei'. [DE 53. GrSVociSic 239.

25. Ar. aflün :

[Selbst aus gr. öiriov entstanden] 'Opium', ebenso tk. Hieraus rum. afion 'dass.'; bulg. afion, serb. afijun. Aus dem Ar. entstand der alte pharmazeutische Aus- druck: frz. affion, sp. afion 'Opiumlat- werge'. Ferner ndl. amfioen; pg. anfiäo 'Opium'. [DE 191. Devic DEt 4. Lammens Rem 4. Bern SiEtWb 24. De Gids (1867) I, 428/9.

26. Berber, afüs:

'Handgriff eines Werkzeuges'. Aus dem plr. ifässen wurde pg. alfeizar 'Griff einer Säge'. Etymologie zweifelhaft. [DE 112.

27. Bind, äg:

'Feuer'. Zusammensetzung: äg-gäri [aus engl, car], wörtlich 'Feuerwagen', d. h. 'Eisenbahnzug'. Ebenso im angloind. agun-boat 'Dampfer', in Bom- bay ag-boat 'dass.'. Mit dem pers. Suffix -dän, das Behälter bezeichnet, ergibt sich das angloind. agdaun 'ein kleines Gefäß mit Feuer zum Anzünden der Zigarren'. [Hobson-Jobson 8/9.

28. Tk. aga:

[Stamm ak 'weiß' Vämbery TktEtWb Nr. 5]. Die ursprüngliche Bedeutung ist offenbar, dem finnischen uko 'der Alte', uha 'die Alte' entsprechend, die- selbe wie pers. pir, ar. sai^, also 'Alter, Greis' gewesen ; im älteren Osmanischen kommt noch ahy als Ehrentitel für Ge-

lehrte vor [Fleischer in ZDMG XIX, 301]. Im späteren Osmanischen heißt aga 'der ältere Bruder', Wiepasa 'der jüngere Bruder' ist. Diese Bedeutungen hat das heutige Türkische ganz vergessen und gebraucht das Wort in völlig an- derem Sinne. Aga ist jetzt ein häufig vorkommender Titel, besonders bei niederen militärischen Chargen, wird aber nur für Analphabeten benutzt, während der des Schreibens Kundige efendi [s. hier Nr. 557] genannt wird. Als Fremdwort kommt Aga in allen europäischen Sprachen vor, oft agha geschrieben. Als Lehnwort hat das Rum. aga, agha, agia 'ehemaliger Polizeiprä- fekt'.

29. Ar. 'agam :

Einheitsnomen "agamt 'Barbar, Fremder, Nichtaraber', besonders 'Perser'. Tk. agemi; hieraus rum. agemiu, ageamiü 'unbewandert, Anfänger'; poln. (alt) ad- ziamski 'persisch' in Verbindung mit Substantiven wie 'Teppich, Kostüm, Sattel'. Altit. agemina, mittelfrz. aze- mine 'Ziselierarbeit'. Das sp. aljamia, lengua aljamiada, bezeichnet die Sprache der Moriscos, zu deren Eigentümlich- keiten es gehörte, daß in ihr viele arabische Ausdrücke, z. T. mit spanischer Endung, sowie Arabismen und alt- spanische Wörter vorkommen, die sonst schon außer Gebrauch gekommen waren. Da diese Sprache mit arabischer Schrift geschrieben wurde, sind textos aljamia- dos also spanische Schriftstücke, die arabisch geschrieben sind, z. B. das Poema de Yosuf, vgl. Ad. Zauner, Alt- spanisches Elementarbuch. ^ Heidel- berg 1921. S. 155. [DE 145. ML 298. ZromPh XXXIl, 41. XXXIII, 62. Kar- lovvicz 435.

30. Mal. agar-agar:

[Pijn 9: Plocaria Candida]; hieraus an- gloind. und engl, agar-agar, dtsch. Agger-Agger 'verschiedene Arten See- tang', z. U. Sphaerococcus lichenoides, zu Suppen und Gelees verwendet. [Hob- son-Jobson 8.

31. Tk. agyr:

[Stamm ak, aq 'Wert, Gewicht; schwer' Vämbery TktEtWb S. 9, Nr. 8] 'schwer, träge, ernst'; dazu das Subst. agyrlyk 'Schwere'. Hieraus rum. agärlic, an- gärlic, argalic 'Bürde, Last'.

32. Tk. a^yr:

Agyr otu [A. Hindoglu, Dictionnaire Turc-Fran(;ais. Vienne 1838. S. 49 b] wohl aus lat. acorus, gr. ÖKopo«;, ÖKopov. Hieraus altruss. aier und ir, russ. air; iv 'Kalmus' = koren , Acorus calamus;

1*

Ar. fihir.]

4

klruss. ajer, ir 'dass.'. [Gorjajew 2. Bern SlElWb 25.

33. Ar. äliir:

'Kiide'; ähir an-nahr 'das Ende des Flusses' ist bei den Arabern ein glän- zender Stern am äußersten Ende des Sternbildes Eridanus, das ar. an-nahr 'dei- Fluß' wie schon bei Ptoleniaeus "EaxuToq toö irotaiaoö heißt. Aus dem Ar. wurde der heutige Name Acarnar, Acheriiar , frz. achet-nar, akharnar, 'a Eridani'. | Devic DEt 4. Lammens Rem 3/4. Ideler Sternn 232/3.

34. Ar.-pers. Ähmadäbäd:

N. pr. [wörtlich 'Ahmeds Ort'], eine Stadt in Guzerat in Ostindien. Hieraus entstand über das im 16. bis 19. Jahr- hundert belegte amadavat das heutige angloind. avadavat zur Bezeichnung eines kleinen, hübschen Stubenvogels Estrelda amandava L., da er aus jener Stadt zuerst nach Europa eingeführt wurde. [Hobson-Jobson 41.

35. Ar. ahmak:

Ebenso tk. 'verrückt'; hieraus rum. acmac 'unerfahren, ungeschickt'.

36. Fers, ähur:

[Horn NpEt S.' 4, Nr. 8] 'Stall', ebenso tk. o/t//r 'Stall, Hürde'. Hieraus bulg. ah^r 'Stall, Pferdestall', serb. ahar, har, aar 'dass.'. [Bern SlEtWb 25.

37. Ar. 'ä'ida:

'Einkommen, Gewinn; Zoll', plr. 'awcCid, ebenso tk. Hieraus rum. avaet 'Zins, Steuer'.

38. Ar. 'aiii:

'Auge', plr. a'jän wörtlich 'Augen', übertragen 'Vornehme'. Ebenso tk. Hieraus rum. aian 'Vornehmer'. Frz. ayan 'tk. Beamter, der für die öffent- liche Sicherheit zu sorgen hat'. [Devic DEt 52.

39. Tk. aiwa:

'Quitte Gidonia vulgaris'. Hieraus russ. ailva, klruss. ajwa 'dass.'; serb. atvajlija 'eine Art Apfel'. [Gorjajew 2. Bern SlEtWb 26.

40. Tk. a.igyr:

'Hengst'. Hieraus mit gleicher Bedeu- tung bulg. ajg%r, serb. ajgir, klruss. oger, poln. ogier. [Bern SlEtWb 26.

41. Ar. 'ajjük:

[Vielleicht aus gr. ai'S 'Ziege' verderbt] der Stern a des Sternbildes Fuhrmann, auch 'Ziege' genannt. Daraus Ayiih od. Alhajoth, der auch Gapella 'Zicklein' genannte Stern. [Devic DEt 19/20. Lammens Rem 14. Ideler Sternn 92.

42. Hebr. äxal:

'Essen'. Hieraus judendtsch. und Gau- nersprache acheln 'dass.'. Achelpiits 'das Essen im Gefängnis'. [Kluge 5.

43. Ar. 'akar:

'Grundbesitz, Immobilien', plr. 'akärät ; ebenso tk. (A. Hindoglu, üictionnaire Türe FranQais. Vienne 1838. S. 328b] al-arat. Hieraus rum. acaret, acarefuri 'Liegenschaften'. [Sain 46.

44. Ar. 'akida: 'Rosenkonserve, Bonbon', plr. 'akiVid; hieraus tk. akyde sekeri 'Karamel), Ger- stenzucker' [Kelökian Kämos 855] od. kurz akede [A. Hindoglu, Dictionnaire Turc-Fran(;ais. Vienne 1838. S. 329]. Wohl aus dieser Form rum. acadea, acadele 'dass.'.

45. Ar. 'akika:

'Cornalin', ein Edelstein, der nach IBN BAITAR [gest. 1248